3. Das Wasser

June 15, 2013 in Die Letzte Göttlich Offenbarte Religion: ISLAM

Das wichtigste Mittel zur Pflege und Reinigung unserer Umgebung ist das Wasser. Mehr noch: Das Überleben aller Geschöpfe hängt vom Wasser ab. Denn Wasser bedeutet Leben und ist die Grundsubstanz aller lebenden Wesen, wie es im heiligen Qur’ān heißt: {Und Allāh erschuf alle Lebewesen aus dem Wasser}[1], und an anderer Stelle: {Und aus dem Wasser erschufen Wir alles Lebende.}[2]

Allāh, der Allmächtige, schuf das Wasser mit vielen Besonderheiten, damit Seine Diener davon Nutzen hätten. Einige dieser Eigenheiten sind diese:

Die dem Wasser (H2O) chemisch am nächsten stehende Verbindung, Schwefelwasserstoff (H2S), besitzt bei Zimmertemperatur einen gasförmigen Aggregatzustand, obwohl sie das doppelte Molekulargewicht des Wassers hat und ist zudem ein übel riechendes, stark giftiges Gas.

Im Gegensatz zu anderen chemischen Verbindungen erreicht Wasser seine größte Dichte nicht im festen Zustand als Eis, sondern im flüssigen Zustand bei +4 Grad. Aus diesem Grund gefrieren die Gewässer der Erde, die Meere, Seen und Flüsse nicht von unten nach oben, sondern von oben nach unten. Da sich die Eiskruste an der Oberfläche bildet, können die Wasserlebewesen überleben und sind vor dem Erfrieren geschützt.

Die für organisches Leben am besten geeigneten Temperaturen liegen zwischen den Siede- und Gefrierpunkten des Wassers.

Aufgrund der Polarität des Wassers sind eine große Anzahl organischer und anorganischer Stoffe leicht in Wasser löslich.[3]

Der heilige Qur’ān nimmt häufig auf das Wasser Bezug. Er spricht davon, wie der Regen zustande kommt und wie die Wolken zu Regen umgebildet werden; er beschreibt wie der Regen in bemessener Weise auf die Erde hernieder fällt und durch ihn das abgestorbene Land zu neuem Leben erwacht; von den unterirdischen Quellen und Gewässern, vom Kreislauf des Wassers und von der Reinigung verschmutzten Wassers.[4] Er hebt damit hervor, welch großer Segen das Wasser für die Menschen ist und Er verlieh dem Regen den Namen “Gnade” [rahma].[5]

Muslime, die den Wert des Wassers voll zu schätzen wissen, segnen denjenigen, der ihnen Wasser zu trinken gibt, mit den Worten: “Mögest du so kostbar sein wie das Wasser!” [türk.: “Su gibi azîz ol!”] Deshalb wird auch der Versorgung mit Wasser große Wichtigkeit gezollt, vor allem während der Pilgerfahrt nach Mekka, wo diejenigen, die den Pilgern an der Ka‘ba Wasser und Scherbet reichen, einen hochangesehenen und ehrenvollen Dienst ausüben. Al-‘Abbās – Allāhs Wohlgefallen sei auf ihm –, ein Onkel des ehrwürdigen Propheten, besaß einen Weingarten in Tā’if. Vor der Zeit des Islam und auch danach brachte er von dort getrocknete Weintrauben, die er in das Wasser der Zamzam-Quelle tauchte und den Pilgern zum Trank darreichte. Nach seinem Tode übernahmen diese Aufgabe seine Söhne und seine Enkel.[6]

Einmal ging der ehrwürdige Prophet – Allāh segne ihn und schenke ihm Frieden – auf dem Gelände der heiligen Moschee zu der Stelle, wo Wasser und Scherbet gereicht wurden, und bat um etwas zu trinken. Sein Onkel al-‘Abbās rief seinem Sohn zu: “Fadl, lauf zu deiner Mutter und hol einen besonderen Trank für den Gesandten Gottes – Allāh segne ihn und schenke ihm Frieden!” Da sagte der Prophet: “Gib mir lieber von dem Getränk, das alle anderen hier trinken!” Al-‘Abbās erwiderte: “O Gesandter Gottes, es kommt zuweilen vor, dass die Hände der Leute das Getränk berühren!” “Nun gib mir doch von dem Getränk, das alle anderen hier trinken!”, wiederholte der ehrwürdige Prophet und trank von dem, was al-‘Abbās ihm reichte. Danach begab sich der Gesandte Allāhs – Allāh segne ihn und schenke ihm Frieden – zur Zamzam-Quelle. Die Familie des al-‘Abbās war damit beschäftigt, Wasser daraus zu schöpfen und den Pilgern zum Trank zu reichen. Da lobte sie der ehrwürdige Prophet – Allāh segne ihn und schenke ihm Frieden – und sprach: “Zieht das Wasser herauf, ihr Söhne des ‘Abd al-Muttalib! Ihr vollbringt ein löbliches Werk!” Und dann sagte er noch: “Würden die Leute nicht herbeistürzen und euch bedrängen, weil sie hörten, dass ich so gehandelt habe, so stiege ich ab von meinem Kamel, legte mir die Schnur des Brunnens hier über”, (wobei er mit seiner gesegneten Hand auf seine Schulter zeigte) “und zöge Wasser herauf, so wie ihr es tut.”[7]

Der Gesandte Allāhs – Allāh segne ihn und schenke ihm Frieden – erklärte in folgender Weise, welch hohen Wert das Wasserausteilen hat: “Am Jüngsten Tag wird ein zur Hölle Verdammter auf einen der künftigen Paradiesbewohner treffen und zu ihm sagen: ‚O So-und-so! Erinnerst du dich eines gewissen Tages, an dem du mich zum Wasserholen aussandtest? An jenem Tag ging ich und holte es dir.‘ Daraufhin wird der Paradiesbewohner für ihn Fürsprache einlegen.”[8]

Der ehrwürdige Prophet – Allāh segne ihn und schenke ihm Frieden – achtete sehr darauf, dass sein Trinkwasser rein und wohlschmeckend war und bevorzugte die Brunnen, deren Wasser süß schmeckte[9]; und er untersagte das Verschmutzen von Brunnen.[10]

Ähnlich stellt der Islam auch die Bedingung, dass das Wasser, das wir zur rituellen Reinigung benutzen wollen, rein sein muss, das heißt, es darf kein Wasser sein, dessen Farbe, Geschmack oder Geruch in irgendeiner Weise verändert ist. Es ist nicht gut, solches Wasser zu trinken oder zu verwenden.

Da Wasser von so großer Wichtigkeit ist, müssen wir sorgsam damit umgehen. Der japanische Wissenschaftler Masaru Emotto hat im Verlauf seiner Forschungen gefrorenes Wasser in Form von Eiskristallen untersucht. Dabei stellte er fest, dass die Kristalle von regelmäßiger, ästhetischer Sechsecksform waren, sowie dass die einer natürlichen Quelle entstammenden, von Menschenhand unberührten Kristalle ein bezauberndes Ebenmaß und wunderbare Formen besaßen. Er unternahm einen Versuch, indem er etwas von diesem Wasser in zwei verschiedene Behälter goss. Dann flüsterte er über dem ersten Behälter Worte der Liebe und Zärtlichkeit, der Fürbitte und Dankbarkeit und stellte fest, dass die Wasserkristalle im ersten Behälter ihre natürliche Schönheit beibehielten. Über dem anderen Behälter sprach er nun hässliche und beleidigende Worte und entdeckte, dass die Kristalle in diesem Becher nunmehr zersplitterten, ihre ästhetischen Eigenschaften einbüßten und das Regelmaß ihrer Form verloren. Im selben Versuch setzte er die Wasserbehälter angenehmer, wohltönender Musik aus und anschließend dem Gegenteil, unharmonischen, unbehaglichen Rhythmen, und erzielte ebenfalls unterschiedliche Ergebnisse. Ähnliche Versuche stellte er auch mit gekochtem Reis und mit Blumen an. Die Blumen, zu denen er sich sanft und angenehm verhielt, behielten ihre Schönheit und Frische, während jene, gegen die er sich hässlich verhielt, verdarben und verwelkten.[11]

Aus diesem Grund ist es erforderlich, alles in der Welt zu lieben und gut zu behandeln, Menschen, Tiere, Pflanzen, die Umgebung, die Natur, schlichtweg alles. Eine weitere, erwähnenswerte Sache ist die, dass man niemals Wasser verschwenden soll, noch die Natur und die Umgebung leichtsinnig zerstören darf. Allāh, der Allmächtige, spricht:

{…esst und trinkt, doch seid nicht verschwenderisch. Wahrlich, Er liebt die Maßlosen nicht!}[12], und: {Die Verschwender sind Brüder der Satane, und der Satan ist der entschiedene Leugner seines Herrn.}[13], sowie: {Seid nicht verschwenderisch. Wahrlich, Er liebt die Maßlosen nicht!}[14]

Allāhs Gesandter – Segen und Friede seien auf ihm – sagte auch: “Esset und trinket, kleidet euch und gebt fromme Gaben, ohne dass ihr in Verschwendung oder Stolz verfallt.”[15]

Man darf Wasser überhaupt nicht verschwenden, auf keine Weise! Einmal trat der ehrwürdige Prophet – Allāh segne ihn und schenke ihm Frieden – an seinen Gefährten Sa‘d heran. Sa‘d war eben dabei, seine Gebetswaschung zu verrichten, und benutzte dabei reichlich Wasser. Da sagte der Prophet zu ihm: “Was soll diese Wasserverschwendung?” Sa‘d – Allāh gewähre ihm Sein Wohlgefallen – entgegnete: “Kann man bei der Waschung zum Gebet von Verschwendung sprechen?” “Sehr wohl”, antwortete ihm der Prophet, “selbst wenn du über einem dahinfließenden Fluss stündest!”[16]

Da ein unvorsichtiger Umgang mit dem Wasser selbst bei der Gebetswaschung unerwünscht ist, dürfte es selbstverständlich sein, dass auch in anderen Fällen eine Verschwendung von Wasser unter keinen Umständen zulässig ist.



[1].      Qur’ān, 24:45.

[2].      Qur’ān, 21:30.

[3].      Dr. Şâkir Kocabaş, Kur’ân’da Yaratılış, İstanbul 2004, S. 157.

[4].      Qur’ān, 24:4; 25:48 ; 43:11; 39:21; 68:70 und 79:31.

[5].      Siehe Qur’ān, 7:57 und 42:28.

[6].      Siehe Ibn Hischām Bd. IV, S. 32; Ibn Sa‘d, Bd. II, S. 137; al-Wāqidī Bd. II, S. 838.

[7].      Siehe al-Bukhārī, Hajj, 75.

[8].      Ibn Mājah, Adab, 8.

[9].      Ibn Hajr, al-Isāba, Bd. III, S. 615.

[10].     Al-Bukhārī, Wudū’, 68.

[11].     Siehe Safvet Senis Artikel Su Kristallerinin Sırrı in der Zeitschrift Sızıntı, Ausg. Dez. 2002, Nr. 287 sowie M. Akif Deniz’s Beitrag in der Zeitschrift İlk Adım, Ausg. Feb. 2003.

[12].     Qur’ān, 7:31.

[13].     Qur’ān, 17:27.

[14].     Qur’ān, 6:141.

[15].     Al-Bukhārī, Libās, 1; Ibn Mājah, Libās, 23.

[16].     Ibn Mājah, Tahāra, 48.