3. Unzucht

June 15, 2013 in Die Letzte Göttlich Offenbarte Religion: ISLAM

Immer schon haben menschliche Vernunft, Moral- und Rechtssysteme sowie alle Offenbarungsreligionen außereheliche Geschlechtsbeziehungen als grundverkehrtes und unsittliches Verhalten gewertet. Außerehelicher Verkehr hat zur Folge, dass sich die Abstammung verwischt, Familien sich auflösen, Bande der Verwandtschaft, Nachbarschaft und Freundschaft zerstört werden und die geistigen und moralischen Werte innerhalb der Gesellschaft von Grund auf erschüttert werden. Solches Verhalten macht den Menschen zum Sklaven seiner niederen Triebe und tritt die Würde und Ehre des Menschen mit Füßen.

Auch in anderer Hinsicht kann die Unzucht viele Folgen haben, die der Gesundheit abträglich sind. Bei sexuell freizügigem Verhalten wird das häufige Auftreten vieler übertragbarer Geschlechtskrankheiten wie Syphilis und Tripper (Gonorrhöe) beobachtet. Auch die tödliche Krankheit AIDS, gegen die bisher kein Heilmittel gefunden wurde, wird größtenteils durch unehelichen Geschlechtsverkehr verbreitet.

Allāh, der Allmächtige, der Seine Diener sehr liebt, wünscht wahrhaftig nicht, dass sie in solche Verderbtheit stürzen. Darum hat Er nicht nur die Unzucht selbst, sondern auch jede Annäherung an sie verboten. In den heiligen Versen des Qur’ān steht zu lesen:

{Ihr sollt euch nicht den Schändlichkeiten nähern, seien sie offenkundig oder verborgen!}[1] und {Ihr sollt euch nicht der Unzucht nähern, denn dies ist eine abscheuliche Sünde und ein übler Weg.}[2]

Das heißt, man hat sich fernzuhalten von allen Mitteln und Wegen, die der Unzucht Vorschub leisten könnten. Unser ehrwürdiger Prophet – Allāh segne ihn und schenke ihm Frieden – spricht in einem Hadīth davon, wie sehr unstatthafte Blicke dem Herzen zu schaden vermögen:

“Auf Unerlaubtes seinen Blick zu richten ist einer der Giftpfeile des Iblīs. Wer dies aus Gottesfurcht unterlässt, dem gewährt Allāh einen Glauben, dessen Süße er in seinem Herzen empfinden wird.”[3]

Aus diesem Grunde trifft der Islam schon im Vorfeld allerlei Vorkehrungen, die dies verhindern sollen, wie beispielsweise, dass Männer und Frauen sich in der islamisch vorgeschriebenen Weise verhüllen, dass sie aufreizende Gebärden und herausforderndes Auftreten vermeiden, dass einander unverwandte Männer und Frauen sich nicht allein miteinander aufhalten, sowie dass anstößiges und obszönes Benehmen in der Gesellschaft als inakzeptabel gelten.

Darum sind auch jede Art von anzüglicher Rede, aufreizenden Blicken sowie allzu engen freundschaftlichen Beziehungen zwischen unverwandten Personen unterschiedlichen Geschlechts verpönt, weil all dies Dinge sind, die der Unsittlichkeit den Weg bereiten. Doch der Islam lässt es nicht dabei bewenden, sondern beauftragt die Familien und die Gesellschaft damit, die Kinder zu erziehen, die Verheiratung nicht hinauszuzögern, es sei denn, es lägen zwingende Gründe vor, die Eheschließung zu erleichtern und in der Gesellschaft die religiösen und moralischen Werte lebendig zu erhalten.

Wie man an all dem erkennt, ist nicht die Bestrafung von Schuldigen das Hauptanliegen des Islam; vielmehr bezweckt er, den Menschen ein glückliches und sicheres Leben zu garantieren, indem er verhindert, dass sich in der Gesellschaft überhaupt ein strafwürdiges Milieu bildet. Deshalb wurden auch im Verlauf der islamischen Geschichte die Strafen für Unzucht oder Ehebruch nur äußerst selten vollstreckt.

Abgesehen von den oben angeführten Vergehen sind im Islam die folgenden schweren Sünden aufs Strengste untersagt: Mord, Hexerei, Unterdrückung, Ungehorsam gegenüber den Eltern, Lüge und Betrug, hinterrücks üble Nachrede zu führen, sich am Besitz von Waisen zu vergreifen, Verleumdung, Diebstahl und das Glücksspiel.[4]



[1].      Qur’ān, 6:151.

[2].      Qur’ān, 17:32.

[3].      Al-Hākim, Bd. IV, 349/7875; al-Haythamī, Bd. VIII, S. 63. Iblīs ist ein Name des Teufels.

[4].      Siehe al-Bukhārī, Schahādāt, 10; Wasāyā, 23; Muslim, Birr, 55 u. 56; Abū Dāwūd, Adab, 35/4875; Ahmad, Bd. III, 154 und 135. Weitere Details sind einzusehen bei: Murat Kaya, Efendimiz’den Hayat Ölçüleri, Istanbul 2007, S. 308-458.