1. Zinsen

June 15, 2013 in Die Letzte Göttlich Offenbarte Religion: ISLAM

Der Zinswucher beruht auf dem Prinzip der Aneignung von Hab und Gut ohne die Leistung eines Gegenwerts. Auch wenn er äußerlich wie eine menschenfreundliche Hilfsmaßnahme aussehen mag, dient er in Wirklichkeit nur dazu, Menschen in ihrer Hilflosigkeit auszunutzen. Darum ist die Zinswirtschaft eine schwere Übertretung der Rechte der Gottesdiener. Sie ist wie ein bösartiges Geschwür, welche das religiöse und sittliche Empfinden auslöscht und das Wirtschaftsleben von innen her zerfrisst. Sie führt dazu, dass der Reiche immer mehr an Macht gewinnt und der Unbemittelte noch ärger ausgebeutet wird. Auf diese Weise entstehen tiefe Klüfte zwischen den Gesellschaftsschichten. Nach Meinung namhafter Wirtschaftswissenschaftler steht vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt aus betrachtet die Gesellschaft am besten da, deren Inflation und Zinssätze gegen Null gehen.

Davon abgesehen öffnet die Zinswirtschaft dem künstlichen Preisanstieg Tür und Tor, erstickt moralische Empfindungen wie Selbstlosigkeit, Hilfsbereitschaft, Zusammenhalt, Zuneigung, Barmherzigkeit und Mitgefühl. Stattdessen öffnet sie solch schädlichen Eigenschaften wie Selbstsucht und Eigennutz, sowie der grenzenlosen Gier nach Geld und Einflussnahme Tür und Tor.

Der Zins hält die Menschen von ehrlicher Arbeit und anständigem Verdienst ab und drosselt die Produktivität. Leute, die sich an den Zinswucher gewöhnt haben, sagen sich von den grundlegenden Erwerbsmöglichkeiten wie Landwirtschaft, Handwerk und Handel los, und es bleibt lediglich das Geldmachen aus Geld, welches eine abträgliche Situation ist, die jegliche Produktivität erlahmen lässt.

Auch wenn es manchen Leuten gefallen mag, durch Wucherzins aus Geld noch mehr Geld zu schlagen, ohne sich groß anstrengen zu müssen, so wirkt sich dies letztlich doch nachteilig auf den Einzelnen und die gesamte Gesellschaft aus. Dies gilt vor allem auf lange Sicht, weil der Zins das Verhältnis von Arbeits- zu Kapitalkosten innerhalb der Gesellschaft auf den Kopf stellt, so dass diese sich letztendlich gegen jene wendet, die vom Zinswucher leben.

Im heiligen Qur’ān heißt es, dass Allāh und Sein Gesandter – Segen und Friede seien auf ihm – denjenigen, die mit Wucherzins handeln, den Krieg erklären.[1] In einem anderen Vers des edlen Qur’ān heißt es:

{Diejenigen, die Wucher treiben, sind wie jene, denen Satan den Verstand verwirrt hat.}[2]

In der Sicht der ehrwürdigen Propheten ist daher der übelste Verdienst der, den man durch Zinswucher erworben hat.[3] Um seine Nation vor dieser schweren Sünde zu bewahren, verfluchte der Gesandte Allāhs – Allāh segne ihn und schenke ihm Frieden – alle jene, die Zinsen einnehmen oder andere zu Zinszahlungen verpflichten, sowie die Offiziellen, die solche Zinsgeschäfte durchführen und solche, die als Zeugen bei solchen Verträgen zeichnen. Er erklärte, dass sie alle, was ihre Sünde anbelangt, auf ein und derselben Stufe stünden.[4] Dass unser ehrwürdiger Prophet – Allāh segne ihn und schenke ihm Frieden – alle verfluchte, die irgendwie an Zinsgeschäften beteiligt sind, geschah, um völlig zweifelsfrei klarzustellen, dass dem Zinswucher in der islamischen Gesellschaft keinerlei Platz eingeräumt werden darf und dass niemand sich in irgendeiner Weise damit befassen soll. Damit wollte er alle Tore verschließen, die zu Schaden und Verderbnis führen.

Der Zinswucher ist eine Sünde und in allen Religionen verboten, denn der Schaden, den er anrichtet, ist ganz offensichtlich. In den Versen des heiligen Qur’ān lesen wir, dass die Zinswirtschaft zuvor auch schon den Juden verboten war.[5]

Es ist ein Irrtum anzunehmen, dass ein zinsloses Wirtschaftssystem in unseren Tagen unmöglich sei. Eine zinsfreie Wirtschaft ist sehr wohl möglich und wird sogar in einigen Gemeinschaften erfolgreich praktiziert. Der Islam hat Zinseinnahmen mit Nachdruck verboten. Stattdessen empfiehlt er Teilhaberschaft und Kapitalmehrung auf diesem Wege, indem man das Kapital arbeiten lässt, denn diese Methode ist für alle von Vorteil. Darüber hinaus empfiehlt der Islam das zinslose Verleihen von Geld [qard hasan], soweit jemand über die Mittel verfügt, und erachtet Darlehen an eine Person, die sich in einer schwierigen Lage befindet, als verdienstvoller als eine milde Gabe. Darüber hinaus sind selbstverständlich die verbindliche Pflichtabgabe [zakāt] vorgeschrieben und freiwillige Spenden [sadaqa] empfohlen, wodurch der Islam die Gesellschaft mit einem kompletten System von wirtschaftlicher Stabilität und Ordnung ausstattet.



[1].      Qur’ān, 2:278-279. Der Gesandte Allāhs – Allāh segne ihn und schenke ihm Frieden – erwähnte nur noch ein weiteres Übel, aufgrund dessen Allāh einem Menschen den Krieg erklärt, nämlich sich feindselig gegenüber den Freunden Allāhs zu verhalten (siehe al-Bukhārī, Riqāq, 38). Ansonsten wurde keinem anderen Sünder oder Ungehorsamen je eine Strafe von dieser Härte angedroht.

[2].      Qur’ān, 2:275

[3].      Ibn Abī Schayba, Musannaf, Bd. VII, 106/34552; al-Wāqidī, Bd. III, S. 1016; Ibn Kathīr, al-Bidāya, Bd. V, S. 13-14.

[4].      Muslim, Musāqāt, 105-106. Siehe außerdem: al-Bukhārī, Buyū‘, 24, 25 und 113; Abū Dāwūd, Buyū‘, 4/3333; al-Tirmidhī, Buyū‘, 2/1206; Ibn Mājah, Tijārāt, 58.

[5].      Siehe Qur’ān, 4:160-161.