6. Der Glaube an das Geschick

June 15, 2013 in Die Letzte Göttlich Offenbarte Religion: ISLAM

Allāh, der Erhabene, weiß, was Seine Geschöpfe tun, und Er weiß alles über jede Kreatur, egal ob ein Ereignis schon geschehen ist oder ob es noch in der Zukunft liegt. Alles geschieht zu seiner Zeit in der Weise, die Allāh schon im Voraus kannte. Entgegen der Auffassung mancher Leute unterliegen die Menschen damit keineswegs einem Zwang, weil nämlich Allāh, der Erhabene, aufgrund Seiner Göttlichkeit wissen muss, wie Seine Diener in der Zukunft handeln werden, und von allen Dingen, die sich in Seinem Reich zutragen werden, Kunde haben muss. Andernfalls wäre hier von einer Unvollkommenheit Allāhs zu sprechen, was wiederum unmöglich wäre.

Die Menschen sind zu freiem Willen befähigt und unterliegen diesbezüglich keinem Zwang. Da aber Allāh mit Seinem ewigen Wissen das Vergangene und das Zukünftige weiß, ist von vornherein verzeichnet, was sich in der Zukunft ereignen wird. Wissen ist aber nicht Handeln. Der genaue Zeitpunkt einer Sonnenfinsternis kann minutengenau im Voraus errechnet werden, und doch tritt die Finsternis nicht deshalb ein, weil die Wissenschaftler sie berechnet haben. Die Sonne wird sich ohnehin verfinstern, doch die Wissenschaftler wissen dies aufgrund ihrer Untersuchungen im Voraus. Es ist ein Unterschied, ob man weiß, dass sich eine Sache ereignen wird und dieses Ereignis beschreibt, oder ob man dieses Ereignis zu gegebener Zeit geschehen lässt, das heißt, ob man es beabsichtigt und die Handlung ausführt. Der Mensch will nach seinem freien Willen handeln, und da Allāh ihm alle Freiheit lässt, um ihn dadurch zu prüfen, erschafft Er das Geschehen so, wie dieser Mensch es sich wünscht. Jedoch billigt Er nur gute und rechtschaffene Werke und hat keinen Gefallen an Missetaten.[1]



[1].      Für ausführlichere Erläuterungen zu diesen Fragen, siehe Osman Nûri Topbaş, Islam – innere Wirklichkeit und äußere Form, Istanbul, Erkam Verlag 2004.