13. Der Mensch, die Krone der Schöpfung

June 15, 2013 in Die Letzte Göttlich Offenbarte Religion: ISLAM

Der Islam weist dem Menschen vor allen anderen erschaffenen Wesen eine außerordentliche Stellung und Ehre zu. In den Versen des heiligen Qur’ān lesen wir: {Fürwahr, Wir haben den Menschen in der vorzüglichsten Gestalt erschaffen.}[1], und: {Und wahrlich, Wir haben die Kinder Adams geehrt und sie über Land und Meer getragen und sie mit guten Dingen versorgt und sie ausgezeichnet – eine Auszeichnung vor jenen vielen, die Wir erschaffen haben.}[2]

Einmal zog ein Begräbniszug an Allāhs Gesandtem – Allāh segne ihn und schenke ihm Frieden – vorbei und dieser erhob sich. Jemand bemerkte: “O Prophet Allāhs! Das war doch der Leichnam eines Juden!” Darauf erwiderte der Gesandte Allāhs – Allāh segne ihn und schenke ihm Frieden: “Ist er etwa kein Mensch?”[3]

Wie man sieht, erhob sich der Prophet – Allāh segne ihn und schenke ihm Frieden – aus Respekt vor dem Menschen, den Allāh mit solch großer Sorgfalt erschaffen hat. Auf diese Weise verwies er darauf, dass nicht nur den Lebenden, sondern auch den Toten Achtung und Ehre gebührt.

Ya‘lā ibn Murra – möge Allāh mit ihm zufrieden sein – berichtete: “Ich begleitete unseren ehrwürdigen Propheten häufig auf seinen Feldzügen. Sooft der Gesandte Allāhs – Allāh segne ihn und schenke ihm Frieden – irgendeinem Leichnam begegnete, ordnete er an, ihn unverzüglich zu beerdigen, und er fragte nicht, ob es ein Muslim oder ein Ungläubiger war.”[4]

Wenn dem Leichnam eines Menschen so viel Ehrerbietung erwiesen wird, wie wertvoll müssen dann erst sein Leben und seine Seele sein! Im heiligen Qur’ān lesen wir: {Deshalb haben Wir den Kindern Isrā’īls vorgeschrieben, dass, wenn jemand einen Menschen tötet – weder als Vergeltung für einen getöteten Menschen noch wegen des Anrichtens von Verderben auf Erden –, dies so ist, als hätte er alle Menschen getötet; und wer ihm (einem Menschen) das Leben erhält, so ist es, als ob er der ganzen Menschheit das Leben erhal­ten hätte.}[5]

Aus diesem Grund ist das Töten eines Menschen aufs Strengste untersagt, sei es Selbstmord oder der Mord eines anderen. Für den, der zum Mörder wird, ist schwerste Bestrafung vorgesehen.[6]

Maulānā Rūmī schreibt hierzu in seinem Mathnawī:

“Wollt ich den wahren Wert des Menschen nennen,

Ich würde mit der ganzen Welt verbrennen!

Doch da die Menschheit ihren eignen Wert nicht kannte,

bot sie sich feil zu äußerst geringem Gewinn.

War der Mensch im Wesen unschätzbar teure Atlasseide,

macht er selbst sich zum Fetzen auf einem Flickenmantel.”[7]

Der Islam misst dem Menschen großen Wert bei und erkennt ihm die seiner Ehre und Würde entsprechenden Rechte zu. Nach islamischer Auffassung ist das Menschsein an sich schon ausreichende Bedingung für die Gewährung grundlegender Menschenrechte.[8]

Die islamischen Rechtsgelehrten halten die menschliche Existenz an sich für die wesentlichste Grundlage der Menschenrechte. Deshalb haben sie stets eine universale Haltung eingenommen und Menschen niemals nach Kriterien der Religion, Rasse, Geschlecht, Gesellschaftsklasse oder Staatsangehörigkeit diskriminert.[9]



[1].      Qur’ān, 95:4.

[2].      Qur’ān, 17:70.

[3].      Siehe al-Bukhārī, Janā’iz, 50; Muslim, Janā’iz, 81.

[4].      Al-Hākim, Bd. I, 536/1274.

[5].      Qur’ān, 5:32.

[6].      Siehe al-Bukhārī, Diyāt, 21; Tibb, 56; Muslim, Īmān, 175.

[7].      Al-Mathnawī, Bd. III, Vers 1000-1001.

[8].      Für detaillierte Ausführungen zu diesem Thema siehe: Kadir Mısıroğlu, İslâm Dünya Görüşü, İstanbul 2008, S. 200-201, sowie Prof. Dr. Recep Şentürk, İnsan Hakları ve İslâm, İstanbul 2007.

[9].      Siehe Prof. Dr. Recep Şentürks İnsan Hakları ve İslâm. S. 13 u. 21.