9. Religions- und Gewissensfreiheit sind grundlegende Prinzipien des Islam

June 15, 2013 in Die Letzte Göttlich Offenbarte Religion: ISLAM

Allāh, der Erhabene, erschuf den Menschen frei und versah ihn mit Bewusstsein und zeigte ihm, was richtig und was falsch ist, wobei Er jedoch seine Willensfreiheit in keiner Weise einschränkte. Jeder Mensch wird nach seinem eigenen freien Willen entscheiden und die Konsequenzen seiner Entscheidung selbst zu tragen haben. Davon künden diese heiligen Verse des Qur’ān:

{Und hätte dein Herr es gewollt, so hätten alle, die insgesamt auf der Erde sind, geglaubt. Willst du also die Menschen dazu zwingen, Gläubige zu werden?}[1]

{Wer glauben will, möge glauben, und wer ablehnen will, möge ablehnen.}[2]

{Wenn ihr ungläubig seid, so ist Allāh auf euch nicht angewiesen. Doch der Unglaube Seiner Diener gefällt Ihm nicht. Wenn ihr hingegen dankbar seid, ist Ihm das an euch wohlgefällig.}[3]

In der Jāhiliyya genannten Zeit der vorislamischen Unwissenheit pflegten Mütter, deren Kinder als Säuglinge schwer erkrankt waren, folgendes Gelübde abzulegen: “Wenn mein Kind überlebt, will ich es zum Juden machen.” Als die Banū Nadīr ihrer Vertragsbrüchigkeit wegen aus Medina vertrieben wurden, befanden sich daher unter ihnen auch einige der Kinder der neuen Muslime, die im jüdischen Glauben erzogen worden waren. Die muslimischen Familien dieser Kinder meinten: “Wir werden unsere Kinder nicht gehen lassen. Wir werden sie festhalten und zwingen, Muslime zu werden.” Daraufhin offenbarte Allāh, der Erhabene, den Vers: {Es gibt keinen Zwang im Glauben.}[4]

Der Islam will sich den Menschen nicht mit Gewalt aufdrängen, darum vermeidet er jede Form des Zwangs. Auch intellektueller Zwang wird vermieden. Beispielsweise wurde der Islam in der Hauptsache nicht durch Wunder verbreitet, und es wurde nicht gern gesehen, wenn man den ehrwürdigen Propheten zu übernatürlichen Wundertaten aufforderte. Da der Islam zu einer Zeit in Erscheinung trat, in der die Menschheit herangereift war, wendete er sich vorwiegend durch das Wunder des heiligen Qur’ān an den Verstand und die Einsicht der Menschen. Durch verstandesgemäße Gesetze und überzeugende Beweise gelang es ihm, die Menschen für sich zu gewinnen. Deshalb wurde niemals körperliche Gewalt als Mittel zur Bekehrung verwendet.

Der amerikanische Historiker Philip Marshall Brown (geb. 1875) schrieb: “Obwohl die Türken große Siege errangen, gewährten sie den Völkern in den von ihnen eroberten Gebieten großzügig das Recht der Selbstbestimmung entsprechend deren eigenen Bräuchen und Überlieferungen.”[5]

Als Napoleon Bonaparte in den Jahren 1798-1799 das Osmanische Reich überfiel, bemühte er sich, die in Syrien und Palästina lebenden Armenier zum Aufstand aufzuwiegeln. Doch Sebastiani, der französische Botschafter in Konstantinopel, hielt dem entgegen: “Die Armenier sind mit ihrem Leben hier derart zufrieden, dass es unmöglich sein wird, sie zu einem Aufstand zu bewegen.”[6]



[1].      Qur’ān, 10:99.

[2].      Qur’ān, 18:29.

[3].      Qur’ān, 39:7.

[4].      Qur’ān, 2:256.

[5].      Siehe Philip Marshall Brown, Foreigners in Turkey: Their Juridical Status.

[6].      Siehe hierzu den Artikel Das Armenier-Problem auf der Webseite des türkischen Ministeriums für Kultur und Tourismus unter:

          http://www.kultur.gov.tr .