2. Mensch und Religion

June 15, 2013 in Die Letzte Göttlich Offenbarte Religion: ISLAM

Die Religion enthält das Wissen, welches der Schöpfer den Menschen als Hilfe für sein Leben sowohl vor als auch nach dem Tode gelehrt hat. Sie gibt eine Reihe von Grundsätzen vor, die dem Menschen ermöglichen, sein kurzes weltliches Leben bei Beachtung von Recht und Gesetz friedlich zu verbringen, ohne irgendjemandem Schaden zuzufügen und ohne sein jenseitiges Leben zu gefährden.

Der Herr hat in dieser Welt vielerlei Geschöpfe erschaffen. Doch die Stellung des Menschen in der Schöpfung ist eine ganz besondere. Ihm wurden außerordentliche Eigenschaften verliehen, welche die anderen Geschöpfe nicht besitzen, wie Vernunft, Willen, Wissen, Einsichtsvermögen, sowie das Streben nach Besitz und Herrschaft. Diese Fähigkeiten gleichen jedoch einem zweischneidigen Schwert. Zum Guten genutzt gewährleisten sie der Schöpfung eine verlässliche Ordnung und der Menschheit Heil und Segen in reichem Maß. Werden jedoch deren negative Seiten wirksam, ergibt sich daraus unvorhersehbares Übel, welches furchtbare Anarchie zur Folge hat. Erschreckende Gräuel und grausame Kriege kommen so zustande. Eine andere Macht ist erforderlich, um diese Eigenschaften und Fähigkeiten des Menschen in richtige Bahnen zu lenken: Eine rechtleitende Religion. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass Allāh, der Erhabene, der Frömmigkeit der Menschen nicht bedarf und dass es Allāh keinerlei Vorteil bringt, wenn sie den göttlichen Geboten Folge leisten. “Doch wir Menschen haben das Bedürfnis, uns den Geboten der Religion zu beugen, nicht nur der ewigen Seligkeit halber, sondern auch um hier auf Erden ein glückliches Dasein fristen zu können.”[1] Im Übrigen vermitteln alle himmlischen Religionen, dass der Mensch dazu geschaffen sei, seinen Schöpfer zu erkennen und Ihm zu dienen.[2]

Diejenigen, die den Menschen die Religion übermitteln, werden Propheten genannt. Der Islam erkennt alle Propheten an und der Glaube an die Propheten ist erforderlich, um Muslim zu sein. Der Islam glaubt an die Vollständigkeit und Aufeinanderfolge der Propheten. Alle Propheten bestätigten die ihnen vorausgegangenen und kündeten das Kommen der nachfolgenden an.[3]

Wer den Propheten Muhammad – Allāh segne ihn und schenke ihm Frieden – anerkennt, bestätigt gleichzeitig alle ihm vorausgegangenen Propheten. Als Hātib ibn Abī Balta‘a – Allāh schenke ihm Sein Wohlgefallen – dem Herrscher von Ägypten und Alexandrien [Muqauqas] das Schreiben des Gesandten Allāhs – der Segen und Friede Allāhs seien auf ihn – überbrachte, sagte er Folgendes:

“Wir laden dich ein, die Religion des Islam anzunehmen, die Allāh, der Erhabene, für die Menschen erwählt hat. Muhammad al-Mustafā – Allāh segne ihn und schenke ihm Frieden – übermittelt diese Einladung nicht nur dir, sondern der gesamten Menschheit. Von allen waren es die Christen, die ihm am meisten Entgegenkommen zeigten. So wie der Prophet Mūsā [Moses] das Kommen ‘Īsās [Jesus] ankündigte, überbrachte auch ‘Īsā die frohe Botschaft über die Sendung Muhammads. Unser Aufruf an euch, an den Qur’ān zu glauben, ist wie der Aufruf zum Evangelium für all jene, die der Thorah anhingen. Jeder Mensch trägt die Verpflichtung, sich dem Propheten seiner Tage anzuschließen. Du gehörst zu denen, die das Zeitalter des Propheten Muhammad – Allāh segne ihn und schenke ihm Frieden – erreicht haben. Deshalb beinhaltet unsere Einladung zum Islam für dich kein Abtrünnigwerden von der Religion ‘Īsās. Im Gegenteil, wir fordern dich auf, im Einklang mit seiner Sendung zu handeln.”[4]

Professor Dr. Timothy Gianotti von der Universität Toronto erklärte, dass er mit seinem Beitritt zum Islam keineswegs seine Bindung an das Christentum aufgegeben habe, sondern er betonte mehrmals, dass für ihn seine frühere Religion wie ein Durchgangs- und Vorbereitungsstadium für den Islam gewesen sei, und erklärte dann, dass der Islam eine allumfassende Religion ist, welche die Absichten des Christentums mit einschließt: “Die Rolle des Islam besteht nicht nur darin, eine bestimmte Gruppe zu Menschen zu machen, die in Allāhs Augen von Wert sind, sondern eine ganze Gesellschaft.”[5]

In einem Ausspruch [hadīth] des Propheten – Allāh segne ihn und schenke ihm Frieden – heißt es, dass alle Propheten Brüder und Kinder ein und desselben Vaters sind.

Dies weist darauf hin, dass die Grundprinzipien in allen wahren Religionen einander gleichen. In anderen Worten: Die wahre Religion blieb vom ersten bis zum letzten Propheten in Bezug auf ihre Glaubensgrundsätze und grundlegenden ethischen Prinzipien unverändert; lediglich die formalen Aspekte der Gottesdienste und die Verhaltensregeln haben sich etwas gewandelt.

Da es nur eine wahre Religion gibt, ist es leicht einzusehen, dass große Ähnlichkeiten zwischen den verschiedenen göttlich offenbarten Religionen bestehen. Beispielsweise schreibt der Islam das rituelle Gebet vor. Doch auch in der Bibel finden wir beispielsweise die folgenden Stellen, die sich eindeutig auf die Verrichtung des Ritualgebets beziehen:

“Kommt, fallet nieder und betet Ihn an! Beuget die Knie vor Jahwe, der uns schuf!”[6]

“Da fielen sie [Moses und Aaron] nieder auf ihr Angesicht und sprachen …”[7]

“Mose verneigte sich eilends zur Erde, warf sich nieder und sagte …”[8]

“Dann ging er [Jesus] ein wenig weiter, warf sich auf sein Angesicht nieder und betete …”[9]

“Als die Jünger dies hörten, warfen sie sich auf ihr Angesicht nieder und fürchteten sich sehr …”[10]



[1].      Siehe hierzu Prof. Dr. Muhammad Sa‘īd Ramadān al-Būtīs Aqā’id al-Islām, S. 71-76.

[2].      Siehe Exodus, 20:2-3; Deuteronomium, 6:4-5; Matthäus, 4:10; Apostelgeschichte, 17:26-28; Qur’ān 51:56.

[3].      Siehe hierzu Prof. Dr. Ö. F. Harmans Artikel İslam in Diyanet İslâm Ansiklopedisi, İstanbul 2001, Bd. XXIII, S. 4.

[4].      Eine vollständige Wiedergabe des Gesprächs Hātibs mit dem Muqauqas findet sich in Ibn Kathīrs al-Bidāya, Bd. IV, S. 266-67; Ibn Sa‘ds Tabaqāt, Bd. I, S. 260-61; sowie in Ibn Hajars al-Isāba, Bd. III, S. 530-31.

[5].      Zitiert in Ahmet Böken u. Ayhan Eryiğit, Yeni Hayatlar, Bd. I, S. 15.

[6].      Psalmen, 95:6.

[7].      Das Buch Numeri, 16:20.

[8].      Exodus, 34:8.

[9].      Matthäus, 26:39.

[10].     Matthäus, 17:6.