1. Kindheit und Jugend

June 15, 2013 in Die Letzte Göttlich Offenbarte Religion: ISLAM

Allāhs Gesandter – Allāh segne ihn und schenke ihm Frieden – kam am Morgen eines Montags, des zwölften Tages des Monats Rabi‘ al-Awwal im Jahre 571 n. Chr. in Mekka zur Welt.[1] Er gehörte zum Stamm der Quraysch und war sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits von edler und hochangesehener Abstammung.

Der Gesandte Allāhs – Allāh segne ihn und schenke ihm Frieden – verlebte seine Kindheit und Jugend in einer Reinheit und Erhabenheit, die bereits erkennen ließen, welch strahlender Zukunft er würdig war. Eine Zeitlang war er als Hirte und später als Kaufmann tätig.[2] Er war für seine Ehrlichkeit und seine Fairness im Geschäftsleben bekannt und wurde von allen hochgeschätzt und geachtet.

Der Gesandte Allāhs – Allāh segne ihn und schenke ihm Frieden – war bereits vor seiner Berufung zum Propheten seiner Großzügigkeit nach der Vortrefflichste, seiner Herkunft nach der Edelste und dem Charakter nach der Vorzüglichste seines Volkes. Er war stets äußerst bedacht auf die Rechte seiner Nachbarn und tat sich durch seine Sanftmut und Treue ebenso wie durch seine Vertrauenswürdigkeit und Verlässlichkeit hervor. Er vermied es stets, Schlechtes zu tun oder anderen Menschen Schaden zuzufügen. Nie erlebte man, dass er andere verurteilte oder beschuldigte, nie stritt er sich mit den Leuten. Weil der Allmächtige ihn mit allen guten Anlagen und Tugenden ausgestattet hatte, wurde er von den Leuten “Muhammad al-Amīn [der Vertrauenswürdige]” genannt. Vertrauenswürdigkeit wurde gleichsam zu seinem zweiten Namen, und mit fünfundzwanzig Jahren wurde er in Mekka nur noch al-Amīn gerufen.[3]

Auch später überließen die Götzendiener ihr Hab und Gut lieber ihm zur Aufbewahrung, als es den Mitgliedern ihren eigenen Sippe anzuvertrauen. Als einmal an der Ka‘ba Ausbesserungsarbeiten vorgenommen wurden und es zum Streit darüber kam, wie man den Schwarzen Stein einsetzen solle, nahmen alle einhellig den Entscheid des ehrwürdigen Propheten – Allāh segne ihn und schenke ihm Frieden – an, der mit einer genialen Lösung eine drohende Stammesfehde verhinderte.[4]

Als der Gesandte Allāhs – der Segen und Friede Allāhs seien auf ihm – fünfundzwanzig Jahre alt war, trug ihm Khadīja – Allāh schenke ihr Sein Wohlgefallen –, eine edle und ehrbare mekkanische Dame, die von seiner Ehrlichkeit eingenommen war, die Ehe an. Sie war fünfzehn Jahre älter als der ehrwürdige Prophet – Allāh segne ihn und schenke ihm Frieden –, verwitwet und hatte bereits erwachsene Kinder. Der Prophet schloss mit ihr die Ehe und sie führten ein glückliches, friedliches Familienleben, welches später zu einem Vorbild für die ganze Menschheit wurde. Die ersten vierundzwanzig Jahre seines Ehelebens, die in die Blüte seiner Jugendjahre und in die Zeit seiner größten Kraft fielen, verbrachte er mit seiner Gattin Khadīja – Allāh schenke ihr Sein Wohlgefallen. Nach ihrem Tode heiratete er ebenfalls eine Witwe namens Sauda – Allāh möge mit ihr zufrieden sein – und lebte die nächsten fünf Jahre nur mit ihr. All seine späteren Eheschließungen wurden aus religiösen, humanitären oder politischen Motiven vorgenommen. Wäre es so, wie gewisse böse und anzügliche Zungen behaupten, dass der Grund für all diese Eheschließungen nur Wollust war, so hätte der ehrwürdige Prophet – Allāh segne ihn und schenke ihm Frieden – sicher nicht die besten Jahre seiner Jugend mit einer fünfzehn Jahre älteren Frau verbracht, die obendrein Witwe war und schon mehrere Kinder geboren hatte.[5]



[1].      Anm. d. Übers.: Der Monat Rabi‘ al-Awwal ist der dritte Monat des islamischen Mondkalenders. Der Tag der Geburt des ehrwürdigen Propheten – Allāh segne ihn und schenke ihm Frieden –, der 12. Rabi‘ al-Awwal im Jahre 53 vor seiner Auswanderung [hijra}, entspricht dem 20. April 571 n. Chr.

[2].      Siehe al-Bukhārī, Ijāra, 2; Abū Dāwūd, Adab, 17 u. 82; al-Hākim, Bd. III, S. 200.

[3].      Siehe Ibn Hischām, Bd. I, S. 191 und Ibn Sa‘d, Bd. I, S. 121 u. 156.

[4].      Siehe Ibn Hischām, Bd. I, S. 209-214 sowie ‘Abd al-Razzāq, Bd. V, S. 319.

[5].      Für Einzelheiten zu den Gründen für die verschiedenen Eheschließungen des ehrwürdigen Propheten siehe Osman Nûri Topbaş’s Hazret-i Muhammed Mustafâ, Istanbul 2008, Bd. I, S. 130-140.